Kapitalistische Entwicklung und der Markt für Unternehmenskontrolle
Helen Callaghan
Warum vollzieht sich schrittweiser Institutionenwandel im gegenwärtigen Kapitalismus nicht willkürlich, sondern systematisch in Richtung Liberalisierung gehend, anstatt in eine andere oder in keine bestimmte Richtung? Mit seiner 2009 formulierten Frage bewegt Wolfgang Streeck die Aufmerksamkeit weg von den in der politökonomischen Forschung bisher üblichen statischen Ländervergleichen und richtet sie auf die Entwicklungsdynamiken innerhalb kapitalistischer Systeme. Dabei betont er die besondere Rolle kapitalistischer Akteure als treibende Kraft von Marktexpansion. Komplementär dazu widmet sich das vorliegende Projekt der politischen Reaktion auf ebendiese Entwicklung. Parlamentsdebatten in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA belegen eine graduelle Abschwächung des politischen Widerstands gegen die Praxis feindlicher Unternehmensübernahmen. Ziel des Projekts ist die Identifikation allgemeiner Mechanismen, mittels derer sich Anreize verändern, wenn Märkte sich ausdehnen. Solche selbstverstärkenden Mechanismen, die auch in der Evolutionsbiologie vorkommen, sollen erklären, warum oft Jahrzehnte vergehen, bevor Marktexpansion eine regulative Gegenwehr provoziert. Projektdauer: Januar 2012 bis September 2013