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 Forschungsprojekte am MPIfG

Die Entdeckung gesellschaftlicher "Komplexität"

Ariane Leendertz


 
In den 1970er-Jahren begannen Soziologen und Politikwissenschaftler, einen analytischen Begriff von Komplexität zu entwickeln, indem sie aus der allgemeinen Systemtheorie und Kybernetik entnommene Konzepte in die Gesellschaftstheorie, Policy-Forschung und Politikberatung übertrugen. Gesellschaftliche "Komplexität" war jedoch nicht allein ein Problem sozialwissenschaftlicher Theoriebildung, sondern wurde im Übergang von den 1960er- in die 1970er-Jahre zugleich als intellektuelles und politisches Problem "entdeckt" und diskutiert: Der Begriff verbreitete sich simultan in Sozialwissenschaften, Politik und öffentlich-intellektuellen Debatten. Auch in den theoretischen Überlegungen wurde Komplexität nicht allein in einem streng analytischen Sinn, sondern als zeitdiagnostisches Schlagwort und Metapher verwendet. Das Projekt untersucht das Bedeutungskontinuum der Rede über gesellschaftliche Komplexität am Gegenstand innen- und außenpolitischer Themenfelder in den USA zwischen den späten 1960er- und frühen 1980er-Jahren. Ziel ist es, zeitgenössische Problematisierungsmodi in ihrer Verflechtung über einzelne Politikfelder und Diskussionszusammenhänge hinaus aufzuschließen sowie anhand politischer Programme den Umgang mit der wahrgenommenen Komplexität zu analysieren. Wieso gelangte das Thema in den 1970er-Jahren zu wissenschaftlicher und politischer Prominenz? Was bedeutete es, Gesellschaft als "komplex" zu denken? Welche Konsequenzen waren aus Komplexitätsdiagnosen zu ziehen? Wie veränderten diese Konzeptionen und Selbstverständnisse politischen Handelns bis zum Beginn der Ära Reagan? Projektdauer: Juni 2012 bis Dezember 2017.
 

 
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