Anständige Orte: Moralische Anfechtung und der Markt für sexuelle Dienstleistungen
Arne Dreßler
Das Verhältnis von Markt und Moral ist ein Kernthema der Wirtschaftssoziologie. Die bisherige Forschung zu Kommodifizierung hat gezeigt, dass die Grenzen der Käuflichkeit in jeder Gesellschaft an geteilte moralische Vorstellungen gebunden sind. Doch was bedeutet es dann für existierende Märkte, wenn sie moralisch umstritten sind, insbesondere in sich pluralisierenden Gesellschaften? Dieser Frage geht das Projekt anhand einer historischen Studie über den Umgang mit kommerzieller Sexualität in der Stadt Köln seit den 1950er-Jahren nach. Um dabei moralische Bewertungs- und Auseinandersetzungsprozesse sichtbar zu machen, greift die Untersuchung auf Forschungserkenntnisse über die symbolische Aufladungsfähigkeit von städtischen Räumen zurück. In empirischer Hinsicht werden zunächst die Verteilungsmuster und Wanderungsbewegungen von Prostitutionsstandorten im Stadtraum über den Untersuchungszeitraum hinweg rekonstruiert. Die dabei identifizierten großen Auseinandersetzungen über den angemessenen Ort kommerzieller Sexualität werden anschließend als Wechselspiel von Kritik, Rechtfertigung und Beweisführung näher analysiert. Schließlich werden die jeweils gefundenen Standortlösungen genauer in den Blick genommen und anhand der konkreten räumlichen und organisatorischen Gestaltung die Einflussmöglichkeiten von Moral auf den Tausch thematisiert. In methodischer Hinsicht kommen Dokumentenanalyse, Beobachtungen und Zeitzeugeninterviews zur Anwendung. Projektdauer: Oktober 2009 bis September 2013.