Ähnlich wie Arbeits-, Finanz- oder Grundnahrungsmittelmärkte sind Wohnungsmärkte kein selbstverständliches Phänomen. Erst seit dem 19. Jahrhundert werden Wohnungen in kapitalistischen Gesellschaften vorrangig über Märkte verteilt. Zum selben Zeitpunkt begann man, über die Produktion und Verteilung von Wohnungsgütern zu debattieren. Diese Debatten wurden im 20. Jahrhundert für die nationale Politik relevant: Soll der Staat oder die Privatwirtschaft für Wohnungsangebot sorgen, soll Bauboden vergemeinschaftet und der Bau von Mietwohnungen oder Eigenheimen gefördert werden? Wie soll die Beziehung zwischen Mietern und Vermietern geregelt werden? Das Dissertationsprojekt untersucht vergleichend, wie verschiedene normative Konzeptionen in den USA, Deutschland und Frankreich zu unterschiedlichen Antworten auf diese Fragen geführt haben. Dafür werden historische Debatten in diesen Gesellschaften insbesondere nach 1945 anhand von Pressematerial, Parlamentsdebatten und Interessensgruppenpublikationen mit netzwerkanalytischen Methoden ausgewertet. Projektdauer: Oktober 2010 bis Dezember 2013.