Vermarktung von Kulturen: Die Kommodifizierung indigenen Wissens
André Vereta Nahoum
Welche Spannungen, Allianzen, Verhandlungen und Übersetzungen gehen mit dem Austausch kultureller Repräsentationen im Markt einher? Das Dissertationsprojekt untersucht dies anhand zweier Wirtschaftsprojekte der Yawanawa-Kultur, einer indigenen Bevölkerungsgruppe im südwestlichen Amazonasgebiet. Eines der Projekte umfasst die Produktion von Annatto-Samen für einen Kosmetikhersteller in den USA, das andere die öffentliche Präsentation kultureller und spiritueller Praktiken. Durch die Indigenisierung von Marktpraktiken und spezifische euro-amerikanische Kategorien - wie z.B. Austausch von Geld, Natur- und Umweltschutz, kulturelle Unterschiede - lassen sich kulturelle Elemente in Repräsentationen harmonischer Lebensweisen im Einklang mit der Natur "übersetzen". Die ökonomische Bewertung kultureller Repräsentationen dient als neues Instrumentarium für die interne und externe Konfliktbewältigung der indigenen Bevölkerung - beim Streben nach Prestige, Loyalität und materiellen Ressourcen der Stämme untereinander sowie im Hinblick auf die weitere Bevölkerung und nationale Initiativen zur Entwicklung profitabler Aktivitäten im Amazonasgebiet. Als Teil der globalen Marktgesellschaft sind die Yawanawa nicht nur in der Lage, Nachfrage und Bewertung von mit ihrer Kultur verbundenen Repräsentationen in individuellen Projekten zur Stärkung ihrer Reputation und Führungsrolle einzusetzen, sondern auch zur Behauptung ihrer kollektiven Identität als indigene Bevölkerungsgruppe mit besonderen Rechten. Das Projekt untersucht den Markt als Arena sozialer Komplexitäten und Konflikte. Es analysiert Entstehung und Austausch von Werten in einer kulturellen Ökonomie sowie die Konstruktion von Projekten individueller und kollektiver Identität: Welchen Herausforderungen sind sie ausgesetzt und wie werden sie durch den Austausch materieller und immaterieller Gütern reproduziert. Projektdauer: Oktober 2009 bis September 2013.