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 Forschungsprojekte am MPIfG

Die Struktur illegaler Märkte

Jens Beckert und Renate Mayntz


 
Die wirtschaftssoziologische Forschung lässt illegale Märkte weitgehend unbeachtet. Einen ähnlichen "blinden Fleck" gibt es auch in der Organisationssoziologie, die zum Beispiel terroristische Organisationen weithin ausspart. Doch illegale Märkte haben nicht nur eine erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung, sondern sind auch von großem theoretischen Interesse: Was bedeutet es für die Funktionsweise eines Marktes, wenn Produktion, Distribution, Verbrauch oder Handel des gehandelten Gutes illegal sind? Das Projekt behandelt zwei Fragestellungen. Eine davon betrifft die Strukturprinzipien illegaler Märkte. Dabei ist zwischen Produktion, Distribution und Verbrauch zu differenzieren, denn welche Aspekte des Marktes illegal sind, ist von erheblicher Bedeutung für seine Struktur und Wirkung. Die Funktionsweise eines illegalen Marktes wird zugleich von der Struktur der beteiligten Akteure bestimmt. Wer sind diese und wie agieren sie auf dem Markt? Zum anderen geht es um die Verbindungslinien zwischen legaler und illegaler Ökonomie. Diese sind etwa durch die Investition von Gewinnen aus illegalen Geschäften in legalen Unternehmen (Geldwäsche), durch den Verkauf gefälschter Produkte oder durch die illegale Entsorgung des Giftmülls eines im Übrigen legal produzierenden Unternehmens miteinander verbunden. Wo sind die Schnittstellen und Übergänge zwischen illegalen Märkten und der legalen Ökonomie auf der einen und dem organisierten Verbrechen beziehungsweise terroristischen Organisationen auf der anderen Seite? Zunächst wurde auf der Grundlage bestehender, vor allem kriminologischer Literatur ein analytischer Ansatz zur Erfassung illegaler Märkte und ihrer Beziehungen zu verschiedenen Umweltsektoren entwickelt. Vor diesem Hintergrund wurden bislang vier Teilprojekte definiert, die sich mit dem Markt für gefälschte Konsumprodukte, dem illegalen Markt für Rhinozeroshorn, illegalen Märkten in (Post )Konfliktgesellschaften und mit der Entstehung illegaler Märkte in akuten Krisensituationen beschäftigen. Projektdauer: Januar 2010 bis Dezember 2014.
 
Wehinger, Frank, 2011: Illegale Märkte: Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung. MPIfG Working Paper 11/6. Köln: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung.
 
Beckert, Jens / Frank Wehinger, 2013: In the Shadow: Illegal Markets and Economic Sociology. In: Socio-Economic Review 11 (1), 5-30. [PDF]
 
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