Einführung zu "Institutioneller Wandel im gegenwärtigen Kapitalismus"
Wolfgang Streeck
Gemeinsames Thema der Forschungsprojekte in diesem Bereich ist der Umbau des demokratischen Nationalstaats der Nachkriegsperiode und die mit ihm verbundene Liberalisierung der Volkswirtschaften bei gleichzeitiger Internationalisierung der Märkte und der sie regulierenden politischen Institutionen. Empirische Forschungsgegenstände sind unter anderem die kollektiven Arbeitsbeziehungen und die Transformation des Arbeitsrechts in Richtung auf größere "Flexibilität", die Organisation und Formulierung von Gruppeninteressen und ihr Verhältnis zur staatlichen Politik sowie Veränderungen in der Leitung, der Organisation und der sozialen Rolle großer Unternehmen. Ziel ist ein verbessertes Verständnis der Ursachen, Formen und Mechanismen des Wandels politisch-ökonomischer Institutionen sowie der Rolle nationalstaatlicher Politik und ihrer Möglichkeiten zur Beeinflussung der gesellschaftlichen Verhältnisse und des kapitalistischen Wirtschaftssystems unter Bedingungen zunehmender Internationalisierung. Viele der Projekte des Forschungsbereichs verfahren international vergleichend; eine wachsende Anzahl verfolgt eine diachronisch-historische Perspektive. Neben allgemeinen Problemen institutionellen Wandels werden Fragen der Konvergenz und Divergenz unterschiedlicher nationaler Modelle des modernen Kapitalismus und die mögliche Herausbildung eines "europäischen Modells" einer sozial regulierten Marktwirtschaft behandelt.