Ende 1952 siedelt Hann Trier nach Kolumbien über. Neue Motive bestimmen
seine Malerei, und nicht nur durch die große Zahl der hier entstandenen
Bilder wird diese Zeit zu einer wichtigen für seine künstlerische
Entwicklung. Hier findet Hann Trier zu seiner fortan charakteristischen
Arbeitsweise, das beidhändige Malen mit zwei Pinseln als simultan
wiederholte Bewegung, das sich bald als Formprinzip entwickelt. Aus dem
Gestus des beidhändigen Malens lässt er "Geflochtenes", "Gewebtes",
"Gestricktes" entstehen, das im feinmaschigen Gefüge der dunklen
Pinselstriche die Farbklänge durchsetzt oder ihnen vor hellem Grunde
zugeordnet erscheint. In seinem 1959 verfassten Aufsatz beschreibt Hann
Trier den Gestaltungsprozess: "Malen heißt im zusammenhängenden Ablauf
auf überschaubarer Fläche tanzen: Im Fließen, im Staccato, im Anhalten,
in der Wiederkehr der Pinselschläge tanzt der Rhythmus. Ich springe in
ihn hinein, indem ich mit den Pinseln so tanze, dass Tanz sichtbar
wird..."
Ab 1961 vollzieht sich der Malvorgang achsenorientiert. Das Thema fast
"symmetrisch aufsteigender oder abgleitender Achsen" (so der Künstler)
erscheint zunächst durch breitflächige Pinselzüge in zeichnerisch
betonten Bildkompositionen realisiert und wendet sich 1962 zum
Malerischen. Farbe spielt nun eine entscheidende Rolle. Die Bilder
werden von einem differenziert modulierten Farbklang bestimmt,
geschaffen aus verschiedenen Tönen, die in breiten Pinselbewegungen die
Bildfläche überziehen und sich in der Vorstellung über die Bildgrenzen
fortsetzen sollen. 1964 hellt sich Hann Triers Palette auf. Der Maler
kehrt nach einigen Jahren der Ölmalerei zur Eitempera als Bindemittel
zurück. Schließlich gelangt er durch Impulse aus seiner Beschäftigung
mit italienischer und süddeutscher Decken- und Wandmalerei zu einer
Leichtigkeit des kompositorischen Aufbaus, in der die Farbformen vor dem
hellen Grunde zu schweben scheinen. Das führt wohl auch zum Auftrag für
die Deckenbilder im Berliner Schloss Charlottenburg. Das Thema des
Schwerelosen fasziniert ihn an dieser Aufgabe, er will es
weiterentwickeln, indem er die Verfahren der Wiederholung, des Echos,
der Achsensymmetrie und des Wegenetzes verfolgt. Der schließlich 1972
erfolgten Ausführung der Deckengemälde schließen sich öffentliche
Aufträge in Heidelberg, Rom und Köln an.
| 1915 | geboren in Düsseldorf-Kaiserswerth |
| 1933 | als Austauschschüler in Frankreich |
| 1934-38 | Kunstakademie in Düsseldorf, mit Staatsexamen in Berlin |
| 1939-41 | Militärdienst |
| 1941-44 | Technischer Zeichner in Berlin |
| 1944-45 | Militärdienst |
| 1945-46 | Thüringen, eine Zeitlang Bühnenbildner in Nordhausen |
| 1946-52 | lebt auf Burg Bornheim bei Bonn; Mitglied der Alfterer Donnerstagsgesellschaft |
| 1952-55 | Medellín, Kolumbien; Reisen nach Ekuador, Venezuela, Mexiko und Yukatán |
| 1955 | lebt in New York; Reise durch die USA |
| 1955-56 | Gastdozent an der Hochschule der Künste in Hamburg |
| 1957-80 | Professor an der Hochschule für bildende Künste Berlin; Studenten u.a.: Peter Klasen, Georg Baselitz, Marwan, Thomas Kaminsky |
| 1966-92 | Wand- und Deckenmalerei, u.a.: Schloss Charlottenburg in Berlin, Universität Heidelberg, Rathaus in Köln, Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland am Heiligen Stuhl in Rom, "Wasserwerk" Bonn, Wallraf-Richartz-Museum/Museum Ludwig in Köln, Von der Heydt-Museum in Wuppertal |
| 1999 | gestorben in Castiglione della Pescaia |