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 MPIfG Kunstaustellungen

 

Der Mensch, der denkt, und die Hand, die malt
Hann Trier | Bilder 1953-1966


 

Ausstellung 26. November bis 21. Dezember 2005

Vernissage am 25. November | 18 Uhr
mit der Vorführung eines Films über den 1999 verstorbenen Künstler
Besichtigung der Ausstellung ab Montag, 28. November:
werktags 9 bis 16 Uhr, freitags bis 15 Uhr oder nach Absprache
Astrid Dünkelmann, Telefon 0221 2767-136


 

 
Ende 1952 siedelt Hann Trier nach Kolumbien über. Neue Motive bestimmen seine Malerei, und nicht nur durch die große Zahl der hier entstandenen Bilder wird diese Zeit zu einer wichtigen für seine künstlerische Entwicklung. Hier findet Hann Trier zu seiner fortan charakteristischen Arbeitsweise, das beidhändige Malen mit zwei Pinseln als simultan wiederholte Bewegung, das sich bald als Formprinzip entwickelt. Aus dem Gestus des beidhändigen Malens lässt er "Geflochtenes", "Gewebtes", "Gestricktes" entstehen, das im feinmaschigen Gefüge der dunklen Pinselstriche die Farbklänge durchsetzt oder ihnen vor hellem Grunde zugeordnet erscheint. In seinem 1959 verfassten Aufsatz beschreibt Hann Trier den Gestaltungsprozess: "Malen heißt im zusammenhängenden Ablauf auf überschaubarer Fläche tanzen: Im Fließen, im Staccato, im Anhalten, in der Wiederkehr der Pinselschläge tanzt der Rhythmus. Ich springe in ihn hinein, indem ich mit den Pinseln so tanze, dass Tanz sichtbar wird..."

 
Ab 1961 vollzieht sich der Malvorgang achsenorientiert. Das Thema fast "symmetrisch aufsteigender oder abgleitender Achsen" (so der Künstler) erscheint zunächst durch breitflächige Pinselzüge in zeichnerisch betonten Bildkompositionen realisiert und wendet sich 1962 zum Malerischen. Farbe spielt nun eine entscheidende Rolle. Die Bilder werden von einem differenziert modulierten Farbklang bestimmt, geschaffen aus verschiedenen Tönen, die in breiten Pinselbewegungen die Bildfläche überziehen und sich in der Vorstellung über die Bildgrenzen fortsetzen sollen. 1964 hellt sich Hann Triers Palette auf. Der Maler kehrt nach einigen Jahren der Ölmalerei zur Eitempera als Bindemittel zurück. Schließlich gelangt er durch Impulse aus seiner Beschäftigung mit italienischer und süddeutscher Decken- und Wandmalerei zu einer Leichtigkeit des kompositorischen Aufbaus, in der die Farbformen vor dem hellen Grunde zu schweben scheinen. Das führt wohl auch zum Auftrag für die Deckenbilder im Berliner Schloss Charlottenburg. Das Thema des Schwerelosen fasziniert ihn an dieser Aufgabe, er will es weiterentwickeln, indem er die Verfahren der Wiederholung, des Echos, der Achsensymmetrie und des Wegenetzes verfolgt. Der schließlich 1972 erfolgten Ausführung der Deckengemälde schließen sich öffentliche Aufträge in Heidelberg, Rom und Köln an.
 
(aus: Sabine Fehlemann [Hrsg.], Hann Trier: Monographie und Werkverzeichnis, Köln: Wienand, 1990)
 

 

Hann Trier | Paintings 1953-1966


 

Art Exhibit November 26 to December 21, 2005
Opening 25. November | 6 p.m.
A film about the artist will be shown


 
Hann Trier is one of the most outstanding abstract painters of the postwar period in Germany. His canvases, ceiling paintings and murals are found in major museums and public buildings in Germany and abroad, reflecting his international reputation. A year after the Second World War ended, Trier joins the “Alfterer Donnerstagsgesellschaft,” a group of artists, art historians and art lovers who wanted to make a fresh start. In 1949, he decides to adopt a painting style that shows the painting process. It is neither form nor illustration that really interests him: it is movement. In order to let the spontaneity of handwriting and the body’s movements speak for themselves, he develops a style of two-handed painting that he describes this way: “Painting is dancing in a connected series of movements on a circumscribed surface. When the brush strokes flow, or beat a staccaato, or stop, or repeat themselves - that’s the rhythm dancing. I jump into it by dancing with the brushes and making the dance visible.” The varying dynamics of language are also an object of the painter’s interest.
 

Kurzbiographie


 

 
1915 geboren in Düsseldorf-Kaiserswerth
1933 als Austauschschüler in Frankreich
1934-38 Kunstakademie in Düsseldorf, mit Staatsexamen in Berlin
1939-41 Militärdienst
1941-44 Technischer Zeichner in Berlin
1944-45 Militärdienst
1945-46 Thüringen, eine Zeitlang Bühnenbildner in Nordhausen
1946-52 lebt auf Burg Bornheim bei Bonn; Mitglied der Alfterer Donnerstagsgesellschaft
1952-55 Medellín, Kolumbien; Reisen nach Ekuador, Venezuela, Mexiko und Yukatán
1955 lebt in New York; Reise durch die USA
1955-56 Gastdozent an der Hochschule der Künste in Hamburg
1957-80 Professor an der Hochschule für bildende Künste Berlin; Studenten u.a.: Peter Klasen, Georg Baselitz, Marwan, Thomas Kaminsky
1966-92 Wand- und Deckenmalerei, u.a.: Schloss Charlottenburg in Berlin, Universität Heidelberg, Rathaus in Köln, Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland am Heiligen Stuhl in Rom, "Wasserwerk" Bonn, Wallraf-Richartz-Museum/Museum Ludwig in Köln, Von der Heydt-Museum in Wuppertal
1999 gestorben in Castiglione della Pescaia

 
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