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 MPIfG Kunstaustellungen

 

Der Weg und das Ziel
Rune Mields


 

MPIfG Kunstausstellung vom 5. Oktober bis 9. November 2001


 

 
Seit den 70er Jahren beschäftigt sich Rune Mields mit der Mathematik. Dabei illustriert sie keine Rechenbeispiele, sondern folgt ihrem großen Thema,  dem Leben als sich stetig weiterentwickelnde Schöpfung, konkreter,  den Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich in der Vorstellung der Menschen verschiedener Kulturen diese strukturiert und organisiert. Die Zahl liegt dem Universum zugrunde, auf Zahlen bauen sich die Gesetzmäßigkeiten auf, nach denen alles, was ist, seine Form findet. In visuellen Zeichen bringt der Mensch sein Denken auf die jeweils kürzeste und präziseste Formel. 
 
Zahlen und Zeichen sind auch die grundlegenden Vehikel der non-verbalen Kommunikation und die Grundelemente ihrer Bilder. Die Visualisierungen von Zahlen, aber auch von bestimmten Gedankeninhalten, durch ihre - je nach Kultur, in der und für die sie entwickelt wurde, spezifische - zeichnerische Umsetzung werden durch die Bild-Serien von Rune Mields vergleichbar. Das einzelne Bild dagegen, das Resultat eines Ineinandergehens von Abstraktion und Konkretion, wird zum Symbol kultureller Identität.
 
Die Mathematik dient der Reduktion und Systematisierung dessen, was denkbar ist und ist insofern vorbildlich für viele weitere Wissenschaften. In der Wissenschaftsgeschichte gilt sie als die Wissenschaft mit dem höchsten Grad an Wahrheit. Während Arithmetik und Geometrie im Mittelalter zu den sieben freien Künsten gehörten, scheinen heute Kunst und Mathematik Gegensätze zu sein. Die Kunst heute gilt als sensualistisch und intuitiv, jeder unvorgebildete Laie möchte sie verstehen können. Die Mathematik dagegen wird als Expertenwissenschaft gesehen, die man nicht verstehen muss, die allein dem technischen Fortschritt zu dienen hat. Mit Mathematik und Kunst stehen sich scheinbar also Rationalismus und Irrationalismus, Kalkül und Emotion, Wirklichkeitssinn und Fantasie gegenüber. Trotzdem sind Parallelen durchaus vorhanden: Da die Mathematik Wahrheit und Klarheit besitzt, entspricht sie auch der traditionellen Definition von Schönheit, kann eine mathematische Lösung sogar die Eleganz und die Harmonie eines Kunstwerks ausstrahlen. Und wie Künstler sich dem Prinzip des l'art pour l'art widmen, denken auch Mathematiker um des Denkens Willen oder erfahren es als ästhetisches Erlebnis, wenn eine Primzahl entdeckt, eine Lösung gelungen, ein Beweis geglückt ist.Trotzdem sind Parallelen durchaus vorhanden: Da die Mathematik Wahrheit und Klarheit besitzt, entspricht sie auch der traditionellen Definition von Schönheit, kann eine mathematische Lösung sogar die Eleganz und die Harmonie eines Kunstwerks ausstrahlen. 

 
Und wie Künstler sich dem Prinzip des l'art pour l'art widmen, denken auch Mathematiker um des Denkens Willen oder erfahren es als ästhetisches Erlebnis, wenn eine Primzahl entdeckt, eine Lösung gelungen, ein Beweis geglückt ist.
 
Mit Mathematik und Kunst stehen sich scheinbar also Rationalismus und Irrationalismus, Kalkül und Emotion, Wirklichkeitssinn und Fantasie gegenüber. Trotzdem sind Parallelen durchaus vorhanden: Da die Mathematik Wahrheit und Klarheit besitzt, entspricht sie auch der traditionellen Definition von Schönheit, kann eine mathematische Lösung sogar die Eleganz und die Harmonie eines Kunstwerks ausstrahlen. Und wie Künstler sich dem Prinzip des l'art pour l'art widmen, denken auch Mathematiker um des Denkens Willen oder erfahren es als ästhetisches Erlebnis, wenn eine Primzahl entdeckt, eine Lösung gelungen, ein Beweis geglückt ist.
Die Reduktion auf die Nicht-Farben Schwarz und Weiß ist nicht nur typisch für die Malerei von Rune Mields, sondern notwendig. Nur so sind die drei Aspekte des Bildes mit einem größtmöglichen Anteil von Wahrheit übermittelbar.

 
Die Bildoberfläche scheint makellos glatt, der Farbauftrag mehr Schein als Materie: Keine Illusion von Emotion entsteht, keine Andeutung von einer über das Bild hinausführenden Erzählung. Und trotzdem sind die Bilder das Resultat eines langwierigen, sehr persönlichen Denk-Mal-Prozesses und alles andere als anonym unbewegt. Die malerische Spur ist zwar mikroskopisch klein und unendlich fein, wie zu kleinsten Teilchen atomisiert, aber vorhanden und da ist sie immer noch.
 
Auch die jüngste Serie dreht sich um Verstehen und Verständigung im Beziehungsgeflecht von Zahlen und Zeichen. Ihr Thema sind die mathematischen Symbole; Zeichen also, die nicht kulturell verschieden, sondern international sind. Für die Mathematik bedeutete die Einführung von Symbolen eine erhebliche Erleichterung auch deshalb, da Zusammenhänge mit Worten erklärt nur schwer vorstellbar waren, nun aber mit einem Blick erfasst werden konnten. Das Minus- und das Pluszeichen beispielsweise wurde im Jahre 1489 von Joh. Widmann "erfunden", das liegende Kreuz als Multiplikationszeichen 1628 von William Oughtred, das Gleichheitszeichen wurde im Jahr 1557 von Robert Recorde eingeführt.

 
Diese und andere Zeichen - die Bildserie von Rune Mields umfasst bisher 18 Zeichen - sind soweit Allgemeingut geworden, dass weder ihre Schönheit, noch ihre historische oder philosophische Bedeutung je bedacht werden. Hier nun inspiriert ihre Schönheit, die in Maß und Proportion der visuellen Gestalt wie in der Eindeutigkeit ihrer Funktion liegt, vielleicht zu neuer Betrachtung.

Vita


 
Rune Mields wird 1935 in Münster, Westfalen, geboren, wo sie im Jahr 1952 eine Lehre als Buchhändlerin beginnt und diesem Beruf bis 1959 nachgeht.
Zwischen 1957 und 1962 erblicken ihre vier Kinder das Licht der Welt, und bis Anfang der siebziger Jahre prägen Ortswechsel das Leben der Familie (1959 Badenhausen/Harz, 1962 Berlin, 1965 Aachen). Im Jahr 1972 läßt sie sich in Köln nieder. Seit Ende der sechziger Jahre arbeitet Rune Mields, die Autodidaktin ist, als freischaffende Künstlerin. Erste Einzelausstellungen in Köln (1967 Studio Köln-Junkersdorf), Berlin (1968 Galerie Hammer) und Düsseldorf (1969 Galerie Hekuba) sind Beleg für ihre frühe künstlerische Tätigkeit. 
 
Es folgen arbeitsintensive Jahre, und 1984 erhält die nun etablierte Künstlerin eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste in Berlin. Fünf Jahre später wird sie Ehrengast der Villa Massimo in Rom. Mields stellt in zahlreichen Ausstellungen ihre Arbeit immer wieder zur Diskussion. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden richtet der Künstlerin zusammen mit dem Kunstverein Bonn 1988 die bislang umfangreichste Einzelausstellung aus. Rune Mields lebt und arbeitet in der Stadt Köln, die ihr 1997 den Kulturpreis verliehen hat.

 

Auszeichnungen


 
1972 Kritikerpreis für Bildende Kunst
1984 Ehrengast der Villa Massimo, Rom
1996 Harry-Graf-Kessler-Preis
1997 Kulturpreis Köln
2000 Gabriele Münter Preis
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