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 MPIfG Kunstaustellungen

 

Wie man Entfernungen schätzt - eine multiplexe Felduntersuchung
Christoph Inderwiesen


 

MPIfG Kunstausstellung 14.11. bis 13.12.2003

Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 13. November 2003 | 19 Uhr
 

 

 

 
Kunst, Wissenschaft und Technik waren zu Beginn der Renaissance noch unter dem Oberbegriff "Künste" vereint. In der Folgezeit entwickelten sich beide Bereiche sehr unterschiedlich, sodass sie heute als Gegensätze erscheinen. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Streben nach Erkenntnis und Beschreibung der Welt, der Schaffung und Vermittlung von Weltbildern. Es ist daher sinnvoll und auch notwendig, einen Dialog der "Künste" außerhalb gewohnter Kunstorte zu führen. Dies erfordert einen Arbeitsansatz, der die Bedingungen von vorgegebenem Ort/Raum, auch im übertragenen Sinn, untersucht. Der Kontext definiert die Kunst und den Blick auf ihre Werke; das autonome, statische Werk ist eine Illusion (übereinstimmend mit den Erkenntnissen der Quantenphysik).
 
Ortserkundung, Recherche und Materialsammlung stehen am Beginn der künstlerischen Produktion. Deren Ausgangsmaterial im weitesten Sinne sind konkrete örtliche Gegebenheiten, wie beispielsweise Inventar und Raumausstattung, Lichtverhältnisse, Klänge und Geräusche und vieles andere mehr. Die Begegnungen und Gespräche mit den Menschen vor Ort sind gleichwertiger Teil dieses Prozesses und beeinflussen in ihrer offenen Dynamik das Endergebnis einer Ausstellungspräsentation.
 
"Sammlungskonzepte nach eigenen Strukturierungsvorstellungen verfolgen heute auch z.B. Rosemarie Trockel und Christoph Inderwiesen. Doch anders als bei den künstlerischen Archäologen der siebziger Jahre steht bei den heute aktuellen Künstlern viel deutlicher die Frage im Vordergrund, ob und wie die deduktiven Methoden der Naturwissenschaft und die Kulturtheorien miteinander korrespondieren können." (J. Raap, Anmerkungen zu den methodischen Unterscheidungen zwischen Kunst und Naturwissenschaften. In: KUNSTFORUM, Bd. 144)

 

Das Ausgangsmaterial


 
Während der Arbeitszeit im Institut diente ein selbst gefertigtes Leerbuch zur Aufzeichnung handschriftlicher "Feldnotizen". Neben umfangreichen Auszügen aus der "Philosophie der Fotografie" von V. Flusser (der hauseigenen Bibliothek entnommen) - als selbstreflexive Auseinandersetzung mit der eigenen fotografischen Tätigkeit im MPIfG - enthält es Grundrisspläne des Hauses, auf denen unterschiedliche Beobachtungen vermerkt sind.

Die Installationen


 
Die vorhandene Raumstruktur und deren spezifische Nutzung bleiben unverändert sichtbar und werden, einer Fußnote ähnlich, aufgenommen, thematisiert, kommentiert, ergänzt oder umgestaltet. Die Ausstellung erstreckt sich über drei miteinander verbundene Räume: kleiner Seminarraum mit Glasfront, großer Konferenzraum und Foyer.
 

 

 

 

 

 

Christoph Inderwiesen



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Biographische Daten


 
1953 geboren in Saarbrücken
1971–1972 Praktikum Siebdruck
1972–1977 Studium an der Kunstakademie Karlsruhe und an der Staedelschule Frankfurt
seit 1988 orts-/ kontextbezogene Projekte zum naturwissenschaftlichen Weltbild (Schwerpunkt: Physik, Astronomie, Geologie)
seit 1997 temporäre Zusammenarbeit mit Physikern des Instituts für Kernphysik/Forschungszentrum Jülich

lebt und arbeitet in Köln.

 

Stipendien


 
1999 Stipendium Kunstfonds e. V. Stipendium der Heraeus-Stiftung
2000 Stipendium der Heraeus-Stiftung
2001 Rotterdam-Stipendium der Stadt Köln

 

Einzelausstellungen und Projekte


 
1995 vierwöchiger Arbeitsaufenthalt in der psychiatrischen Landesklinik Bedburg-Hau.
1997 "Zur Industrialisierung des Vergessens", eine Installation im Internet. "Kunst = Grundlagenforschung", Teilnahme am Forschungsforum Leipzig. "Plattentektonik/ungewisse Künste", Galerie Zimmermann, Mönchengladbach.
1998 ständige Installation im Stadtraum von Iserlohn (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kernphysik/Forschungszentrum Jülich).
1999 "Radiotropisches Labor", Museum Wiesbaden, (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kernphysik/Forschungszentrum Jülich). "Sammlung Wissen und Vergessen", Doktorandenkurs Physik zur Festkörperspektroskopie, TU Dresden
2000 "238/92 U", Galerie Hafemann, Wiesbaden. "Meßzeit", Gothaer Kunstforum Köln. "Materialberg", Doktorandenkurs Physik zu Symmetrie und Symmetriebrechung, Universität Halle.
2001 Schloß- und Beschlägemuseum, Velbert.
2002 "Bodenwerte Rotterdam", Tent, Rotterdam.
2003 "Wie man Entfernungen schätzt" – eine multiplexe Felduntersuchung, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln.

 

Publikationen


 
Raab, J.: Neue Editionen aus der DDR und BRD; Kunstforum 1989
Schneckenburger, M.: Kölner Schiefer; Katalogtext 1992
Pohlmann, L.: Wissenschaft als Heiligsprechung des Unheimlichen: Katalogtext 1992
Schneckenburger, M.: Die Ahnenbilder und der Astronaut; Katalogtext 1992
Zimmermann, O.: Das Kalte Herz; Atelier 1992
Informationsdienst Kunst: Für die Raumfahrt; 1993
Kisters, J.: Das Wachstum der Natur ist gewitzter als die Weisheit der Künstler; Katalogtext 1995
Van derGrinten, F.-J.: So Ursprung wie Weg wie Zeit; Katalogtext 1995
Kisters, J.: Die Botschaft des Hundekadavers; Katalogtext 1995
Kasten, F.: Kunstherz; Katalogtext 1996
Schäfer, H. Das Ganze und seine Teile: Kunstzeit 1997
Pohlmann, L.: Kunst = Grundlagenforschung?; Katalogtext Forschungsforum Leipzig, 1997
Raab, J.: Kunst und Wissenschaft; Kunstzeit 1998
Raab, J.: Wissensgesellschaft, Kunstforum 1998
Raab, J.: Radioaktivität, Kunstforum 1998
Raab, J.: Wissenschaftliche Mimikry; Kunstforum Themenheft: "Wissenschaftliche Strategien in der Kunst", 1999
Raab, J.: Sammlung und Dialoge, Christoph Inderwiesen, ebenda
Meinhardt, J.: Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Welt; Katalogtext Museum Wiesbaden 1999
Mayer-Kuckuk, T.: Der strahlende Kosmos: Katalogtext Museum Wiesbaden, 1999
Meinhardt, J.: Universale Natur, Universalgeschichte und universales Museum, 1999
Vollmer, W.: Selbstbilder der Materie, Camera Austria Nr. 67, 1999
Schröer, C-F.: Erlebnispark Steinbruch, Kunstzeitung 1/2000

 

 

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