Heils Werke sind inspiriert durch frühgeschichtliche Holzschnitzereien
und Steinritzungen. Seine durch die subjektive Wahrnehmung persönlich
gefärbten Bilder verändern das Ausgangsmotiv oft ins Groteske. Der Anlaß
für seine Malerei, so sagt er, ist "nicht der sichtbare, sondern der in
den Dingen vorgestellte Raum sowie der imaginierte Blick durch die
Ritzen zurück in die Welt des Malers bzw. Betrachters. Die alten, an
Kinderzeichnungen erinnernden Zeichen, wie sie die Arawak-Indianer auf
Gouadeloupe in die Felsen ritzten, sind für mich Kommunikationsstellen
zwischen dem Oben und Unten, dem Außen und Innen." Auf großformatigen
Einzelbildern, die er zum "Arawak"-Zyklus gruppiert, setzt Heil seine
Motive um. Später läßt er in Pappmaché und Ton geformte Skulpturen in
Bronze gießen und verwendet deren Abbildungen anschließend fototechnisch
weiter in seiner Serie "Kopflastig". Gereon Heil, Vertreter eines
psychologisch-sachlichen Stils, präsentiert ein "in sich stimmiges
Kunstbild, dessen Entwicklung zu beobachten man sich gerne als Aufgabe
stellt" (Eugen Grominger, Professor an der Staatlichen Kunstakademie
Düsseldorf).
Für den Oberen hat der Blick von unten etwas Devotes. Für den Unteren
kann er Offenbarung des Oberen sein. Der von unten Blickende sieht
die Unterseite des Oberen, das, was unter dem schönen Schein liegt. Dann
entlarvt der Blick von unten den Oberen. Er kann dem Unteren zeigen,
was der Obere gegenüber denen, die darüber sind, verborgen hält. Der
Obere des Oberen sieht vom Oberen, der für ihn der Untere ist, nur den
schönen Schein, also das, was er sehen will. Für einen auf der gleichen
Stufe würde er zweidimensional wirken - ein Mensch ohne Tiefe, doch ob
es solche Gleichgestellten in der Realität überhaupt gibt, daran besteht
berechtigter Zweifel.
Es gibt Zeiten, da wirkt Unbelebtes belebt. Dann zeichnen sich kleine Männchen
auf schillernder Oberfläche ab, grinsen ihn deftig an, drehen ihm eine lange
Nase, oder, in Ermangelung einer solchen, lange Ohren. Ohren wie
Tiefseemuscheln. Ohren von einer Größe, als könne man durch sie sehen. Diese
Wesen sind dem Felsen verbunden, markieren eine weitere Grenze, bevor der Himmel
hereinbricht. Von außen verschwinden ihre exakten Formen im grauen Stein, in den
sie geritzt, gemeißelt, gehämmert sind. Der Blick Vuno sieht sie als
Umrisszeichnungen auf vielfarbigen, geradezu feurig lebenden Flächen. So als
fließe Lavastein und suche noch seine endgültige Form. Sie liegen davor und doch
irgendwie gleichzeitig dahinter, denn wenn Vuno seine Felsenhülle verlässt, dann
offenbaren sich ihm die echten monströsen Gestalten.