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 MPIfG Kunstaustellungen

 

Werdegang
Ute Bartel


 

 
Ute Bartel, 1961 in Halle/Westfalen geboren, lebt heute in Köln und arbeitet in den Bereichen Fotomontage, Installation, Aktion.
 
In der Klasse von Prof. Reiner Ruthenbeck (1988-1994) arbeitete sie zunächst an großen körperbezogenen Objekten. In der Installation Schein zu Sein (1993) setzt sie sich mit der Frage "Gibt es ein Primat des Materiellen vor dem Immateriellen?" näher auseinander. Negativdias von acht Menschen in Lebensgröße wurden auf die vier Glasseitenwände des Pavillons projiziert. Im Verlauf von der Dämmerung bis zur Dunkelheit erschienen von jeder Lichtfigur bis zu acht Spiegelungen auf den Wiesen außerhalb des Pavillons. Immaterielle und materielle Wirklichkeit durchdrangen sich.
 
Während ihres Studiums der Freien Kunst an der Kunstakademie Münster (1986-1994) suchte Ute Bartel zunehmend nach Möglichkeiten, die Grenzen zwischen Kunst und Alltag zu durchbrechen. Sie entwickelte Aktionen an öffentlichen Orten, die sie dann fotografierte. Dabei wurden Personen gebeten, eine bestimmte Körperhaltung einzunehmen oder ein kleine Handlung auszuführen. Aus den Fotoaktionen erwuchsen Fotomontagen und Installationen auf der Grundlage serieller Bildwiederholung. Es entstanden Aktionen und Montagen wie z.B. Tisch und Stuhl (1994). Hier sprach sie an einem öffentlichen Platz Leute an und bat sie, das Verhältnis eines Stuhles zu einem von mir aufgestellten Tisch zu verändern. Die fest installierte Kamera fotografierte jeweils die Endposition.
 
1995 ging Ute Bartel nach Köln und vertiefte die Arbeiten im Bereich Fotomontage. Es entstand zum Beispiel die Arbeit Wandteppich (1996), für die sie etwa 1200 Fotos in eine 320 x 320 cm große Fläche montierte. Die etwa 21 verschiedenen Motive zeigen Wäsche an Wäscheleinen, die sie während eines Stipendienaufenthaltes in Mecklenburg-Vorpommern fotografiert hatte. Durch die serielle Arbeitsweise entstehen Strukturen, die den Betrachtungsabstand zu einem wesentlichen Bestandteil der Arbeit machen.
 
Alltagsgegenstände, alltägliche Handlungen und Wahrnehmungen und eine veränderbare Sichtweise auf diese sind in den letzten Jahren weiter Gegenstand ihrer künstlerischen Erforschungen. Die Kamera benutzt sie dabei zunehmend als Arbeitsgerät, mit dem sie skizziert, experimentiert und Wirklichkeit festhält, um letztere nachfolgend mit dem zusätzlichen Mittel der Montage neu zu erschaffen. Grundlage der Arbeitsreihe This is not America (2000) bilden Fotografien aus den USA (Landschaften, historische Orte, Alltagsgegenstände), die sie während eines dreimonatigen Stipendiums bereiste.
 
Auch bei der Installation belegt (2000) geht es um die Wahrnehmung und neue Erschaffung von Wirklichkeit. Ute Bartel belegte die Bodenfliesen des Kunstvereins, einem ehemaligen Bauernhof, in einem unterbrochenen Rhythmus mit gespiegelten Fotopaaren stark vergrößerter Details von Wurst- und Schinkenaufnahmen. Die Makroaufnahmen lassen durch ihre Struktur und Farbe im ersten Moment an Marmorfliesen denken.
 
Ihre Vorliebe für Materialien des Alltags wie auch Elemente der Aktionskunst sind bis heute ein wesentlicher Kernpunkt der künstlerischen Forschungsarbeit Ute Bartels geblieben.
 
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