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  MPIfG Öffentlicher Vortrag | Public Lecture
 

Donnerstag, 8. Juli 2010 | 17 Uhr (s.t.)

Refeudalisierung der Ökonomie: Zum Strukturwandel kapitalistischer Wirtschaft

Sighard Neckel, Institut für Soziologie, Universitaet Wien
 
Der Finanzmarktkapitalismus der Gegenwart lässt sich nur unzureichend als ideologische Ausgeburt des Neoliberalismus begreifen. Auch stellt die Ökonomie der schnellen Gewinne und hohen Verluste nicht einfach einen Verfall rationaler Erwerbsprinzipien dar. Derselbe gesellschaftliche Prozess, der die wirtschaftlichen Institutionen zur Struktur eines Finanzmarktkapitalismus modernisierte, hat vielmehr zugleich soziale Formen der Verteilung von Einkommen, Anerkennung und Macht etabliert, die ursprünglich vormoderne Muster der sozialen Ordnung aktualisieren. Mit Rekurs auf den analytischen Topos der "Refeudalisierung", den Jürgen Habermas einst in seiner Studie über den "Strukturwandel der Öffentlichkeit" ausgearbeitet hat, wird die refeudalisierte Ökonomie der Gegenwart als eine Paradoxie kapitalistischer Modernisierung untersucht, deren Entstehungs- und Wirkungsmechanismen in vielfältiger Weise formale Ähnlichkeiten mit den institutionellen Transformationen moderner Öffentlichkeiten aufweisen.
 
Sighard Neckel ist Professor für Allgemeine Soziologie und Analyse der Gegenwartsgesellschaft an der Universität Wien. Zugleich ist er Mitglied der Leitung des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Zu seinen Veröffentlichungen zählt Flucht nach vorn: Die Erfolgskultur der Marktgesellschaft (2008); im Juni 2010 erscheint seine Studie Strukturierte Verantwortungslosigkeit: Berichte aus der Bankenwelt.
 

 
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