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Christoph Deutschmann | Soziologie kapitalistischer Dynamik

Thema der Vorlesungsreihe ist das "growth miracle" (William J. Baumol) des modernen Kapitalismus. Die These ist, dass die historisch völlig einzigartige gesellschaftliche Dynamik des 19. und 20. Jahrhunderts sich als „wirtschaftliches Wachstum“ allein nicht zureichend fassen lässt. Ihre Erklärung verlangt vielmehr nach einem genuin soziologischen Ansatz. In der ersten Vorlesung werden die vorliegenden modernisierungstheoretischen Erklärungsversuche kritisch resümiert und eine alternative soziologische Theorieperspektive aufgezeigt. In der zweiten und dritten Vorlesung werden die Grundlinien einer soziologischen Mehrebenenerklärung kapitalistischer Dynamik skizziert.

 
Sociology of Capitalist Dynamics. The lectures address the "growth miracle" (William J. Baumol) of modern capitalism. Their main argument is that the historically unique social dynamics of modern capitalism cannot be satisfactorily conceptualized by theories of “economic growth”; instead, a genuinely sociological approach is needed. The first lecture gives a critical summary of the existing theories of modernization and outlines an alternative theoretical perspective. The second and third lectures deliver a multi-level approach toward capitalist dynamics which culminates in the construction of three growth scenarios, one positive and two negative.
All three lectures will be held in German.


 

 
1. Vortrag | Dienstag, 3.2.2009 | 17:30 Uhr
Kapitalismus und Religion: Eine unorthodoxe Sicht
Auch in der aktuellen ökonomischen Theoriediskussion ist ein zunehmendes Unbehagen an konventionellen modellanalytischen Ableitungen wirtschaftlichen Wachstums und eine Hinwendung zu institutionell und historisch orientierten Ansätzen festzustellen. Diese sind jedoch, nicht anders als die modernisierungs- und systemtheoretischen Konzepte in der Soziologie, ebenfalls unzureichend geblieben. Deshalb wird ein alternativer theoretischer Zugang vorgeschlagen, der an die Interpretation der ökonomischen Theorie als säkularisierte Theologie durch Robert H. Nelson anknüpft. Es wird gezeigt, dass die These Nelsons sich in eine überzeugendere Form bringen lässt, wenn man sie mit religionssoziologischen Analysen sowie mit den Geldtheorien von Simmel und Marx verbindet.  

 

 
2. Vortrag | Dienstag, 10.2.2009 | 17:30 Uhr
Eine Mehrebenenanalyse kapitalistischer Dynamik (I): Institutionelle und soziokulturelle Rahmungen unternehmerischer Aufstiege
In dieser Vorlesung wird der Ansatz einer soziologischen Mehrebenenanalyse kapitalistischer Dynamik skizziert. Grundgedanke ist, dass der moderne Kapitalismus zu einer sozialen Polarisierung der Klassen führt. Diese aber wird aufgrund spezifischer institutioneller und soziokultureller Rahmungen als individuell überwindbar wahrgenommen und lässt einen historisch neuen, auf Markterfolg gestützten Typus sozialer Aufstiege entstehen. Es wird zunächst die "Logik der Situation" beleuchtet, indem die Bedeutung von Institutionen und kollektiven Identitäten für die soziale Strukturierung "unternehmerischer" Aufstiegsperspektiven analysiert wird. Die These lautet, dass diese Strukturen die grundlegende Inkonsistenz in der sozialen Rahmung der Situation nicht beseitigen können.

 

 
3. Vortrag | Dienstag, 17.2.2009 | 17:30 Uhr
Eine Mehrebenenanalyse kapitalistischer Dynamik (II): Innovation als sozialer Prozess
In der letzten Vorlesung werden der zweite und der dritte Schritt der in der zweiten Vorlesung begonnenen Analyse skizziert. Im zweiten Schritt geht es um die Analyse der Akteurstrategien. Gezeigt wird, wie die Akteure auf die objektive und wahrgenommene Inkonsistenz der Situation durch eine Orientierung auf "Innovation" reagieren; hier wird auf die einschlägigen Ansätze Mertons, Schumpeters, aber auch der neueren Wirtschaftssoziologie zurückgegriffen. Diskutiert werden die Bedingungen, unter denen innovatives Handeln eine sozial anschlussfähige Form gewinnt. Im dritten Schritt werden die Aggregatwirkungen gelingender und nicht gelingender innovativer Prozesse analysiert. Dies mündet in die Konstruktion eines positiven und zweier negativer Szenarien kapitalistischer Dynamik. Mit dem zweiten Negativszenario soll insbesondere die Situation in fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern beleuchtet werden.

 
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